Cybermobbing
Cybermobbing: erkennen, handeln, vorbeugen
Beleidigungen im Klassenchat, peinliche Bilder, Gerüchte in sozialen Netzwerken oder gezieltes Ausschließen aus Gruppen: Cybermobbing kann sehr unterschiedliche Formen annehmen. Für Betroffene ist es besonders belastend, weil Angriffe schnell viele Menschen erreichen, weiterverbreitet werden können und nicht mit dem Schultag enden.
Cybermobbing ist deshalb selten nur ein „Online-Problem“. Oft setzt sich ein Konflikt aus der Schule digital fort – oder digitale Angriffe wirken sich unmittelbar auf das Miteinander in der Klasse aus.
Bei einem konkreten Vorfall: Das Wichtigste zuerst
- Ernst nehmen und zuhören
- Beweise sichern – Screenshots, Links, Datum und Uhrzeit
- Nicht weiterleiten oder öffentlich diskutieren
- Unterstützung organisieren – innerhalb der Schule und mit Erziehungsberechtigten
- Bei Bedrohung, Erpressung oder sexualisierten Inhalten fachliche Hilfe hinzuziehen
Weiterführend: klicksafe-Handbuch · No Blame Approach · Zentraler Schulpsychologischer Dienst München
Konflikt, Streit oder Cybermobbing?
Nicht jede verletzende Nachricht und nicht jeder Streit im Klassenchat ist Cybermobbing. Von Cybermobbing spricht man in der Regel, wenn eine Person wiederholt und gezielt beleidigt, bedroht, bloßgestellt oder ausgegrenzt wird und sich zunehmend unterlegen oder ausgeliefert fühlt. Entscheidend ist dabei nicht nur ein einzelner Post, sondern auch die Dynamik in der Gruppe: Wer beteiligt sich? Wer leitet Inhalte weiter? Wer schaut zu?
UNTERRICHTSMATERIAL
Aktiv gegen Cybermobbing
Fallbeispiele und direkt einsetzbare Aufgaben helfen Schüler*innen, Konflikte, Ausgrenzung und Cybermobbing zu unterscheiden – und die Rolle von Mitlesenden in den Blick zu nehmen.
Was tun bei einem konkreten Vorfall?
Betroffene ernst nehmen
Wer sich anvertraut, braucht zunächst eine ruhige und verlässliche Ansprechperson. Zuhören, nachfragen und Unterstützung zusichern ist wichtiger als eine schnelle Lösung. Sätze wie „Ignorier das einfach“ oder „Dann geh doch aus der Gruppe“ helfen meist nicht weiter.
Inhalte sichern – aber nicht weiterverbreiten
Screenshots, Links, Nutzernamen sowie Datum und Uhrzeit können wichtig sein. Sie helfen dabei, Vorfälle einzuordnen, Inhalte bei Plattformen zu melden und bei Bedarf weitere Schritte vorzubereiten.
Schutz und Unterstützung organisieren
Je nach Situation sollten Klassenleitung, Schulleitung, Schulsozialarbeit, Beratungslehrkraft und Erziehungsberechtigte einbezogen werden. Bei Bedrohungen, sexualisierten Bildern oder Videos, Erpressung oder anderen möglichen Straftaten ist es wichtig, frühzeitig fachliche Beratung einzuholen.
Die Gruppe in den Blick nehmen
Cybermobbing ist kein Konflikt zwischen zwei Einzelpersonen. Auch Personen, die liken, weiterleiten, mitlachen oder schweigen, beeinflussen die Situation. Eine Intervention sollte deshalb die betroffene Person schützen und zugleich die Gruppendynamik bearbeiten.
ARBEITSHILFE FÜR DIE SCHULE
Was tun bei (Cyber)Mobbing?
Das Handbuch von klicksafe bietet Hintergrundwissen, Fallgeschichten und konkrete Hinweise für Prävention und Intervention in der Schule.
Prävention: Respekt und Verantwortung im digitalen Raum
Prävention beginnt nicht erst beim Klassenchat. Sie gehört zur Arbeit am sozialen Miteinander und sollte regelmäßig aufgegriffen werden: Was ist respektvolle Kommunikation? Was darf weitergeleitet werden – und was nicht? Wie können Schüler*innen reagieren, wenn jemand angegriffen oder bloßgestellt wird? Und an wen können sie sich wenden?
Klassenregeln für digitale Kommunikation sind besonders wirksam, wenn sie gemeinsam entwickelt und im Alltag immer wieder aufgegriffen werden. Wichtig ist außerdem, Schüler*innen nicht nur als mögliche Betroffene oder Verursachende anzusprechen. Sie können auch unterstützen, widersprechen, Hilfe holen und damit Mobbingdynamiken unterbrechen.
Für einen niedrigschwelligen Einstieg in der Grundschule und unteren Sekundarstufe eignet sich das Angebot „Cybermobbing“ von Planet Schule: Film und Arbeitsmaterialien greifen die Frage auf, wie Belästigung im Netz erkannt und angesprochen werden kann.
Zum Angebot von Planet Schule
Unterstützung holen
Bei einem akuten oder länger andauernden Fall sollte niemand allein handeln. Innerhalb der Schule können je nach Struktur Klassenleitung, Schulsozialarbeit, Beratungslehrkraft, Schulpsychologie und Schulleitung einbezogen werden. Für Münchner Schulen ist der Zentrale Schulpsychologische Dienst eine wichtige Anlaufstelle für Beratung und Unterstützung.
Schüler*innen können sich außerdem vertraulich und kostenlos an JUUUPORT wenden. Dort beraten speziell geschulte Jugendliche und junge Erwachsene Gleichaltrige bei Problemen im Netz – auch bei Cybermobbing.
BERATUNG FÜR JUNGE MENSCHEN
JUUUPORT
Bei Problemen im Netz können sich Jugendliche kostenlos und vertraulich von geschulten Peers beraten lassen – auch bei Cybermobbing.
Weiterführend
Für Schulen, die einen konkreten Interventionsansatz vertiefen möchten, kann der No Blame Approach eine ergänzende Perspektive sein. Der Ansatz richtet den Blick auf eine schnelle Entlastung der betroffenen Person und auf die Verantwortung einer Unterstützungsgruppe – ohne zunächst Schuldzuweisungen in den Mittelpunkt zu stellen. Die offizielle Seite erläutert den Ablauf in drei Schritten und informiert auch über Fortbildungen.
06/2026 – CF