Exzessive Mediennutzung
Smartphone, Games, Streaming und soziale Netzwerke gehören zum Alltag von Kindern und Jugendlichen. Eine intensive Nutzung ist deshalb nicht automatisch problematisch. Entscheidend ist nicht allein die Bildschirmzeit, sondern die Frage: Bleibt die Mediennutzung steuerbar – und gelingt der Alltag weiterhin?
Von exzessiver oder problematischer Mediennutzung spricht man, wenn digitale Angebote über längere Zeit einen so großen Raum einnehmen, dass Schule, Schlaf, Beziehungen, Bewegung, Interessen oder Wohlbefinden deutlich beeinträchtigt werden. Eine Diagnose stellt jedoch nicht die Schule. Ihre Aufgabe ist es, Veränderungen wahrzunehmen, Gespräche zu ermöglichen und bei Bedarf passende Unterstützung zu vermitteln.
Woran können Lehr- und Erziehungskräfte Veränderungen erkennen?
Ein einzelnes Merkmal ist kein Beweis. Aufmerksamkeit ist sinnvoll, wenn mehrere Beobachtungen über einen längeren Zeitraum zusammenkommen, zum Beispiel:
- deutliche Müdigkeit, Konzentrationsprobleme oder häufiges Zuspätkommen,
- Rückzug von Freundschaften, Hobbys oder Aktivitäten außerhalb des Netzes,
- sinkende Leistungen oder zunehmende Fehlzeiten,
- starke Gereiztheit oder Konflikte, wenn die Nutzung unterbrochen wird,
- wiederholte, erfolglose Versuche, die eigene Nutzung zu reduzieren,
- eine Nutzung, die vor allem dazu dient, unangenehme Gefühle oder Probleme zu verdrängen.
Solche Anzeichen können viele Ursachen haben. Deshalb ist es wichtig, nicht vorschnell zu urteilen oder ein bestimmtes Angebot – etwa Games oder soziale Netzwerke – pauschal verantwortlich zu machen.
Wie kann ein Gespräch gelingen?
Hilfreich ist ein Gespräch, das an Beobachtungen anknüpft und nicht an Vorwürfen:
- „Mir ist aufgefallen, dass du in letzter Zeit oft sehr müde wirkst. Wie geht es dir gerade?“
- „Was macht dir an dem Spiel oder der App besonders Spaß? Gibt es auch Situationen, in denen es dir damit nicht gut geht?“
- „Was würde dir helfen, wieder mehr Zeit für Dinge zu haben, die dir wichtig sind?“
Ziel ist zunächst, die Situation zu verstehen und gemeinsam nach kleinen, realistischen Veränderungen zu suchen. Ein pauschales Handy- oder Spielverbot löst die Ursachen meist nicht und kann dazu führen, dass Gespräche abgebrochen werden.
Medienkompetenz als Prävention
Prävention bedeutet nicht, digitale Medien grundsätzlich als Problem darzustellen. Kinder und Jugendliche brauchen nicht nur Regeln, sondern Gelegenheit, ihre eigene Nutzung zu verstehen und bewusst zu gestalten: Was tut mir online gut? Woran merke ich, dass ich eine Pause brauche? Welche Funktionen halten mich besonders lange bei einer App oder einem Spiel?
Im Unterricht und in pädagogischen Angeboten können sie zum Beispiel lernen,
- eigene Nutzungsgewohnheiten zu reflektieren,
- Funktionen wie Autoplay, Streaks, Likes, Belohnungssysteme oder In-App-Käufe zu erkennen und einzuordnen,
- Benachrichtigungen sowie Zeit- und Privatsphäre-Einstellungen bewusst zu gestalten,
- digitale Angebote kreativ, kommunikativ und für eigene Projekte zu nutzen – statt sie nur passiv zu konsumieren,
- Ausgleich durch Bewegung, Schlaf, Freundschaften und Aktivitäten außerhalb des Netzes zu planen.
Pauschale Bildschirmzeiten können Orientierung geben, erfassen aber nicht die Qualität der Nutzung und die jeweilige Lebenssituation. Ziel ist deshalb, Kinder und Jugendliche darin zu stärken, selbstbestimmt zu entscheiden, Grenzen wahrzunehmen und sich Unterstützung zu holen, wenn die Balance verloren geht.
Das Angebot „Ins Netz gehen“ des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit bietet Informationen und Materialien zur gesunden Mediennutzung für Jugendliche, Eltern sowie Lehr- und Fachkräfte. Für Jugendliche gibt es außerdem einen Selbsttest zur Reflexion der eigenen Nutzung.
zu „Ins Netz gehen“
Wenn Unterstützung nötig ist
Wenn die Belastung anhält oder sich verschärft, sollte die Schule nicht allein handeln. Je nach Situation können Klassenleitung, Schulsozialarbeit, Beratungslehrkraft, Schulpsychologie und Sorgeberechtigte einbezogen werden. Bei deutlichen psychischen Belastungen, Schulvermeidung oder einem starken Kontrollverlust ist professionelle Beratung sinnvoll.
Über „Ins Netz gehen“ finden Jugendliche, Eltern sowie Lehr- und Fachkräfte kostenlose Online-Beratung und eine Datenbank mit Beratungsstellen.
zu Beratung und Hilfen
Für Münchner Schulen kann außerdem der Zentrale Schulpsychologische Dienst bei belastenden Situationen beraten und unterstützen.
zum Zentralen Schulpsychologischen Dienst München
Weiterführend
Exzessive Mediennutzung ist selten nur eine Frage von Disziplin oder „zu viel Bildschirmzeit“. Häufig geht es auch um Stress, Zugehörigkeit, Anerkennung, Langeweile oder Schwierigkeiten im Alltag. Eine wertschätzende, nicht moralisierende Haltung hilft Kindern und Jugendlichen eher dabei, Unterstützung anzunehmen und wieder eine gute Balance zu finden.
06/2026 – CF